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Interview mit Professor Dr. Heinz Mandl

Professor Dr. Heinz Mandl ist Dekan der Fakultät für Psychologie und Empirische Pädagogik an der Ludwig Maximillian Universität München.

Mandls Forschungsschwerpunkte:
Wissenstransfer und Wissensmanagement

Angstfreies Lernen in einem entspannten wie auch anregendem Umfeld, das macht neugierig, motiviert und bringt großen Erfolg. Und es offenbart, dass herkömmlicher Unterricht Erwachsenen nicht immer gerecht wird.

 

GEOSAISON:
Sie haben die Superlearning-Methode, die Suggestopädie, untersucht, Scharlatanerie oder Wunderwaffe?

Professor Mandl:
Es ist wichtig zu wissen, dass es unterschiedliche suggestopädische Lernmethoden gibt. Die Methode, die wir untersuchten, funktioniert ganzheitlich, versucht möglichst alle Sinne beim Lernen anzusprechen, mit klassischer Musik, mit stark spielerischen Elementen, mit authentischen Situationen und Entspannungsübungen.

Das Ergebnis?

Es war überwältigend. Nach insgesamt 69 Englischstunden á 45 Minuten wurden unsere 14 Teilnehmer mit Volkshochschülern verglichen, die eineinhalb Jahre (das heißt 256 Schulstunden á 45 Minuten) herkömmlich unterrichtet worden waren.

Fazit: Die nach der Suggestopädie unterrichteten Teilnehmer brachten trotz der kürzeren Zeit gleiche Ergebnisse. Bei der Lösung von Alltagsproblemen, bei kommunikativen Aufgaben und im Hörverständnis schnitten sie sogar etwas besser ab. Entscheidend war aber auch: alle nach der Suggestopädie unterrichteten Schüler waren die ganze Zeit über hochmotiviert, lernten enthusiastisch. Suggestopädie, das ist wie ein großer Schub, jedenfalls für den Anfang. Später, wenn die sprachlichen Anforderungen komplexer werden, muss diese Form des Unterrichts mit Grammatik ergänzt werden.

Was geht in unseren Köpfen vor, wenn wir eine fremde Sprache lernen?

Neue Erkenntnisse aus der Hirnforschung belegen, dass wir aktiv und konstruktiv lernen. Dazu müssen wir aufnahmebereit, interessiert und neugierig sein. Die Lernumgebung, also die Lehrer, die Gestaltung des Unterrichtsraumes und die Atmosphäre, können dabei helfen, den Spracherwerb zu fördern. Je entspannter und zugleich anregender sich dieses Umfeld präsentiert, desto größer ist unsere Lust zu lernen.

Wir lauschen.

Neues Wissen, das wir im Kopf behalten wollen, muss mit unserem Vorwissen verknüpft werden. Ein fremdes Wort etwa, zunächst ohne jeden Bezug, muss in einen Kontext also in ein Bild oder einfach in einen Sinnzusammenhang eingewoben werden. Je öfter das geschieht, desto zugänglicher und abrufbarer wird es...

Gibt es Personen, die partout keine Sprachen lernen können?

Ich glaube, nein. Es kommt darauf an, wie sie angesprochen werden. Da gibt es sehr große Hemmschwellen alte Schulerfahrungen etwa. Viele Leute blockieren ja schon, wenn sie nur das Wort „lernen“ hören. Richtig unterrichtet aber, in angstfreier Atmosphäre, hat jeder ganz normale Mensch die Chance, eine Fremdsprache zu lernen.

Was lernen wir von Kindern?

Kinder lernen ihre Muttersprache, inklusive Grammatik, ganz ohne Schule das vergessen viele Pädagogen. Kinder eignen sich in den ersten sechs Jahren ungeheuer viel an, sind aktiv und neugierig. Sie lernen in natürlichen Situationen, mit Spiel , Spaß und Freude, nie abstrakt und losgelöst von konkreten Situationen. In der Schule sitzen sie dann auf dem Stuhl, dürfen nur etwas sagen, wenn sie aufgerufen werden, und rutschen in eine äußerst passive Rolle. Kinder kommen als Fragezeichen in die Schule und verlassen sie als Punkt, ein treffendes Zitat des Pädagogen Neil Postman.

Welche Ecke im Hirn will im Unterricht bedient werden?

Es gibt eine linke und eine rechte Gehirnhälfte, die linke soll dem sprachlichen und begrifflichen dienen, die rechte mehr dem kreativen und emotionalen Bereich. Der Mensch hat also eine rationale Dimension sowie eine motivationale. Ein Unterricht ist nur dann gut, wenn er beide Dimensionen bedient.

 
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